Der Amnesty-Briefmarathon: Engagement mit Erfolg!

Jedes Jahr im Dezember ruft Amnesty International zum weltweiten „Briefmarathon“ auf. Hunderttausende Menschen schreiben innerhalb weniger Wochen Millionen von Briefen, mit denen sie Regierungen zur Einhaltung der Menschenrechte auffordern. Sie appellieren daran, Folter, Todesstrafen und unfaire Prozesse zu verhindern, und zeigen ihre Solidarität mit Menschen, deren Rechte mit Füßen getreten werden. Und dieser Einsatz zeigt Erfolg: Über 3,7 Millionen Briefe konnten zum Briefmarathon 2015 zahlreiche Menschenrechtsverletzungen beenden. Bevor der diesjährige Briefmarathon startet, wollen wir einen Moment innehalten und auf unsere Erfolge aus dem vergangenen Jahr zurückblicken.

So konnten wir mit mehr als 240.000 Appellschreiben an den Gouverneur von Louisiana endlich die Freilassung von Albert Woodfox erwirken. Grausame 44 Jahre wurde er in Einzelhaft gehalten, länger als jeder andere Gefangene in den USA. Der schwarze US-Amerikaner wurde beschuldigt, einen Gefängniswärter ermordet zu haben. Die Beweise dafür waren lediglich widersprüchliche Aussagen mehrerer Häftlinge, denen im Gegenzug für ihre Angaben besondere Zugeständnisse gemacht wurden. Die wahren Gründe, wieso Woodfox von einer ausschließlich aus Weißen bestehenden Jury schuldig gesprochen wurde, dürften andere sein: Er war Mitglied in einer Bürgerrechtsorganisation, die sich für die Rechte schwarzer US-Bürger eingesetzt hat. Trotz dass seine Verurteilung insgesamt drei Mal aufgehoben wurde, verweigerte der Justizminister von Louisiana seine Freilassung. Nach 44 Jahren ist Albert Woodfox endlich wieder in Freiheit und bedankte sich bei Amnesty International für den großen Einsatz im Rahmen des Briefmarathons:

„Die Nachrichten, die mich von Menschen außerhalb der Gefängnismauern erreicht haben, sind zu einer enormen Quelle der Stärke für mich geworden. Ich möchte mich bei allen Mitgliedern und Unterstützerinnen und Unterstützern von Amnesty International für die wundervolle Arbeit, mit der sie sich für uns eingesetzt haben, bedanken.“

https://www.amnesty.de/files/images/woodfox450.whrap.jpg

Weiterhin setzten wir uns beim Briefmarathon dafür ein, Früh- und Zwangsehen in Burkina Faso zu stoppen. Über ein Drittel aller Frauen in Burkina Faso werden verheiratet, bevor sie 18 Jahre alt sind, viele von ihnen unter Zwang, an Männer, die ihre Großväter sein könnten. Im Frühjahr hat sich die Regierung des Landes nun endlich verpflichtet, Früh- und Zwangsehen abzuschaffen. Das Justizministerium erklärte, man habe sich zu diesem Schritt gezwungen gefühlt, nachdem „Briefe, E-Mails und Nachrichten von Menschen aus der ganzen Welt eingegangen waren“. Ein großer Schritt für die Rechte von Kindern in Burkina Faso. Amnesty International wird die dortige Entwicklung genau beobachten und die Regierung mit Nachdruck an ihre Versprechen erinnern.

Auch Yecenia Armenta wurde am 7. Juni nach vier Jahren Ungerechtigkeiten aus der Haft entlassen. Die Mexikanerin wurde im Juli 2012 von der Polizei willkürlich festgenommen und stundenlang gefoltert und vergewaltigt. Man beschuldigte sie, ihren Ehemann umgebracht zu haben, was sich aber nie beweisen lies. Sie wurde gezwungen, mit verbundenen Augen ihr „Geständnis“ zu unterzeichnen, während die Polizisten ihr drohten, auch ihre Kinder zu vergewaltigen und zu töten. Knapp 320.000 Appelle aus aller Welt beendeten ihr Martyrium. Auch Yecenia hat sich im Anschluss bei all ihren Unterstützer_innen bedankt:

„Ich möchte allen Menschen, die mich begleitet haben, von ganzem Herzen danken. Ohne ihre Unterstützung wäre es sehr unwahrscheinlich gewesen, dass ich freigelassen werde. Ich möchte mich bei denen bedanken, die mit dieser wichtigen Arbeit, dem Kampf für die Rechte anderer Menschen, weitermachen. Manchmal braucht die Gerechtigkeit länger – aber sie kommt.“

https://lh3.googleusercontent.com/-xh8sBG3fK1Q/V4j-z7CGrPI/AAAAAAAAH8U/S4TyZdOReH4TCGwa8b2J0x_JPPUrd_acA/w426-h320/Zitat%2BYecenia%2BFacebook.jpg

Weitere Erfolge konnte der Briefmarathon in der Demokratischen Republik Kongo erzielen, wo Ende August Yves Makwambala und Fred Bauma aus der Haft entlassen wurden. Die beiden Aktivisten hatten sich als Teil der Jugendbewegung „Lutte pour le Changement“ für Menschenrechte und Demokratie in ihrem Land eingesetzt. Weil sie junge Leute zu friedlichem Aktivismus animiert haben, wurden sie wegen einer „geplanten Verschwörung gegen das Staatsoberhaupt“ angeklagt und inhaftiert. Für die insgesamt 170.000 Unterstützerschreiben bedankten sich Fred und Yves mit folgenden Worten:

„Jeder Brief, jeder Besuch und jedes Wort hat uns gestärkt und unsere Entschlossenheit in diesem langwierigen, aber wichtigen Kampf für Freiheit und Demokratie bekräftigt.“

http://www.amnesty.de/files/images/450-260-bauma-makwambala.jpg

Nicht zuletzt konnten auch für Phyoe Phyoe Aung beinahe 400.000 Appelle ein Ende ihrer Haft bewirken. Die Aktivistin aus Myanmar hatte mehrere friedliche Protestmärsche gegen ein neues Bildungsgesetz organisiert, mit welchem Studierende ihre akademischen Freiheiten bedroht sahen. Die Polizei löste die Protestmärsche gewaltsam auf und klagte über 100 Personen unter fragwürdigen Gesichtspunkten an. Die neue Regierung von Myanmar nahm nach den zahlreichen Appellschreiben ihr Versprechen ernst, politisch motivierte Festnahmen zu beenden. Noch gibt es viel zu tun, bis alle gewaltlosen politischen Gefangenen in Myanmar frei sind, Phyoe Phyoe Aung aber geben diese Entwicklungen Mut:

„Ich möchte mich von Herzen bei allen bedanken, die mich und unsere Bewegung unterstützen. All diese Briefe zu bekommen, bestärkt mich in dem, was wir tun. Ich habe angefangen zu begreifen, dass die Welt uns zusieht und uns anfeuert – wir sind nicht allein.“

http://www.amnesty.de/files/images/content_212076_Phyoe_Phyoe_Aung_-1.jpg

All diese Erfolge des letztjährigen Briefmarathons zeigen: Briefeschreiben kann Leben verändern, kann Regierungen unter Druck setzen und die Welt ein kleines Stück gerechter machen. An diese zahlreichen erfreulichen Nachrichten wollen wir mit dem Briefmarathon 2016 anknüpfen, denn ab dem 2. Dezember heißt es wieder: Schreib für Freiheit!

Veröffentlicht in Allgemein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*