Offener Brief an den Rektor der TU Chemnitz wegen rassistischer Äußerungen eines Universitätsprofessors

Im Oktober 2015 veröffentlichte Heiner Rindermann, Professor am Institut für Psychologie der TU Chemnitz, einen Artikel auf FOCUS Online, in welchem er nachzuweisen versuchte, dass Geflüchtete über einen niedrigeren Intelligenzquotienten verfügen und sich auf dem „Fähigkeitsniveau von einheimischen Realschülern“ bewegen. Die Reaktionen auf seine rassistischen Äußerungen blieben nicht aus, das Institut für Psychologie und das Dekanat der Human- und Sozialwissenschaften distanzierten sich klar und deutlich vom Inhalt des Artikels, auch die Presse berichtete. Vonseiten der Universitätsleitung jedoch erfolgte keine weitere Reaktion. In einem offenen Brief fordern Amnesty International Chemnitz, ROCK YOUR LIFE! Chemnitz, United Campus Chemnitz und das Bündnis Chemnitz Nazifrei den Rektor der TU Chemnitz, Professor Andreas Schubert, zu einer eindeutigen Positionierung bei rassistischen Äußerungen seiner Lehrkräfte auf:

 

Sehr geehrter Herr Professor Schubert,

am 17. Oktober des vergangenen Jahres erschien auf der Internetseite FOCUS ONLINE ein Artikel des an der Technischen Universität Chemnitz unterrichtenden Herrn Professor Rindermann, in welchem er eine stark diskriminierende Position gegenüber Geflüchteten und Migrant_innen einnimmt. Der Artikel schreibt Geflüchteten und Migrant_innen „limitierte Fähigkeiten“ und einen geringeren Intelligenzquotienten zu und unterstellt ihnen kriminelle Umtriebe. Dies ist unserer Meinung nach wenig differenziert und aus dem Zusammenhang gerissen dargestellt. Herr Professor Rindermann nimmt mit diesem Artikel eine einseitig beleuchtete Bewertung der momentanen Migrationsbewegung vor, woran sich eine verantwortungsbewusste und humane Flüchtlingspolitik mitnichten ausrichten darf.

Wir, die Studierendenschaft der TU Chemnitz, begrüßen es, dass sich das Institut für Psychologie und das Dekanat der Human- und Sozialwissenschaften bereits öffentlich von Form und Inhalt des Artikels distanziert haben. Ungeachtet der Tatsache, dass diese Stellungnahme nicht mehr öffentlich auffindbar ist, befürchten wir indes, dass vonseiten der Universität keine weiteren Konsequenzen folgen werden. Wir möchten mit diesem Schreiben zum Ausdruck bringen, dass wir Studierende die Aufassung und Schlussfolgerungen von Herrn Professor Rindermann nicht teilen und fordern Sie auch zu einer eindeutigen Positionierung auf.

Bereits im vergangenen Februar hat Ihr Vorgänger im Amt, Herr Professor van Zyl, die „Chemnitzer Charta für Vielfalt“ unterzeichnet, um damit den Wert eines solidarischen Miteinanders und der Internationalität von Forschung und Lehre zu betonen. In einer E-Mail rief er ebenso die Studierenden auf, ihre Überzeugung für Diversität und Weltoffenheit kundzutun. Dieser Aufforderung möchten wir in der Überzeugung, dass auch Sie für eine solche weltoffene Position einstehen, mit diesem offenen Brief nachkommen. Wir sind der Auffassung, dass eine solche Publikation, welche durch ihre Aussagen ein diskriminierendes Verhalten gegenüber Geflüchteten und Migrant_innen befördert, in keiner Weise in das weltoffene Konzept der TU Chemnitz passt und geeignet ist, dem Ruf der Universität Schaden zuzufügen. Als Studierendenschaft fordern wir daher mehr Transparenz darüber, wie vonseiten der Universitätsleitung mit solchen Äußerungen umgegangen wird. Wenn das Engagement der TU für die „Chemnitzer Charta für Vielfalt“ keine leere Hülle bleiben, sondern mit Leben und einem beständigen Einsatz für mehr Diversität gefüllt werden soll, muss in dieser Sache dringend eine klare Stellungnahme vonseiten der Universitätsleitung erfolgen.

Mit freundlichen Grüßen,

ROCK YOUR LIFE! Chemnitz e.V.

Amnesty International, Stadtgruppe Chemnitz

United Campus Chemnitz e.V.

Bündnis Chemnitz Nazifrei

Veröffentlicht in Allgemein

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