Schreib für Freiheit: Der Amnesty-Briefmarathon 2017

In dieser Woche startet einmal mehr der weltweite Briefmarathon, zu dem Amnesty International jährlich um den Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember herum aufruft. Innerhalb weniger Wochen schreiben hunderttausende Menschen aller Kontinente Appellbriefe, mit denen sie Regierungen zur Einhaltung der Menschenrechte auffordern und ihre Solidarität mit jenen ausdrücken, deren Rechte mit Füßen getreten werden. Ihre Stimmen helfen, Menschen vor willkürlichen Haftstrafen, Folter und unfairen Prozessen zu schützen. Denn dieser weltweite Druck ist unsere größte Waffe: Nichts fürchten Menschenrechtsverletzer_innen mehr, als dass ihre Taten ans Licht der Öffentlichkeit gelangen. Ein einzelner Brief kann ignoriert werden, nicht aber zehntausende Appelle  für die Menschenrechte.

Dieses Jahr gilt die Aufmerksamkeit des Briefmarathons voll und ganz den Verteidiger_innen von Menschenrechten auf der Welt: Zahllose Menschen widmen ihr Leben dem Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit, nicht selten setzen sie ihre eigene Sicherheit aufs Spiel, um anderen Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen. Nun benötigen sie selbst unsere Unterstützung.

Nachdem unsere Gruppe im vergangenen Jahr mehr als 500 Appellschreiben in Chemnitz gesammelt hat, werden wir auch diesmal wieder aktiv werden, wenn es heißt: Schreib für Freiheit! Momentan sind wir an folgenden Orten präsent:

Samstag, 02. Dezember, ab 13:00 Uhr: Infostand zum „100-Meter-Weihnachtsmarkt“ auf dem Kassberg, Link zur Veranstaltung HIER.

Freitag, 08. Dezember, ab 11:00 Uhr: Infostand zum Weihnachtsmarkt der TU Chemnitz, Link zur Veranstaltung HIER.

Weitere Aktionen zum Briefmarathon in Chemnitz werden auf unserer Facebook-Seite bekanntgegeben. Außerdem werden wir den Briefmarathon wie bereits in den vergangenen Jahren auch wieder an Schulen durchführen und Schüler_innen für Menschenrechte sensibilisieren.

Von den elf Fällen, die Amnesty International zum diesjährigen Briefmarathon recherchiert hat, wollen wir in Chemnitz insbesondere vier Einzelschicksale unterstützen:

Hanan Badr el-Din, Ägypten

Nachdem ihr Mann im Jahr 2013 nach einer Protestkundgebung verwundet ins Krankenhaus eingeliefert wurde und dort spurlos verschwand, widmete Hanan ihr Leben dem Kampf gegen das „Verschwindenlassen“. In den vergangenen Jahren haben Ägyptische Sicherheitsbehörden hunderte Menschen verschwinden lassen, die Opfer sind meist politische Aktivist_innen, Protestierende und Studierende bis hin zu minderjährigen Schüler_innen. Um diese Verbrechen aufzuklären, gründete Hanan die „Familienkoalition der Opfer des Verschwindenlassens“. Mit ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement geriet sie nun selbst ins Visier der Behörden: Im Mai 2017 wurde sie festgenommen und der „Mitgliedschaft in einer verbotenen Gruppierung“ angeklagt.

Ni Yulan, China

Die chinesische Rechtsanwältin Ni Yulan hat sich jahrelang für Menschen eingesetzt, die gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben wurden, um großen Bauprojekten zu weichen. Auch dieses Engagement ist den staatlichen Behörden ein Dorn im Auge: Ni Yulan verlor ihre Anwaltslizenz, wurde mehrfach willkürlich inhaftiert und gefoltert. Seit sie im Jahr 2002 auf einer Polizeiwache schwer misshandelt wurde, sitzt sie im Rollstuhl.

Sakris Kupila, Finnland

Der Medizinstudent Sakris kämpft für die Rechte transgeschlechtlicher Menschen und war bereits vielfach Beleidigungen, Drohungen und offener Feindseligkeit ausgesetzt. Er selbst wurde mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren und daraufhin als Mädchen gemeldet, bis er sich als Teenager darüber bewusst wurde, dass dies nicht seiner eigentlichen Geschlechtsidentität entspricht. Doch die Änderung der Vornamens und der Angabe des Geschlechts in offiziellen Dokumenten bedeutet für transgeschlechtliche Menschen eine entwürdigende Prozedur, sie müssen sich einer psychiatrischen Untersuchung unterziehen und eine Sterilisation vornehmen lassen.

Shackelia Jackson, Jamaika

Shackelias Bruder Nakiea wurde 2014 von der Polizei erschossen, weil er angeblich einem gesuchten Mann ähnlich sah. Damit ist er jedoch kein Einzelfall, sondern nur einer von etwa 2000 Personen, die in den letzten zehn Jahren in Jamaika von der Polizei getötet wurden. Der Kampf um Gerechtigkeit und gegen Polizeigewalt ist mühsam, die Aufklärung solcher Fälle verläuft schleppend und bleibt oftmals erfolglos.  Auch Shackelia wird fortwährend von der Polizei eingeschüchtert, um von weiteren juristischen Schritten abzusehen.

Mehr Infos zum weltweiten Briefmarathon gibt es in Kürze unter: www.amnesty.de/briefmarathon.

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